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The Good Fight – Serientipp für Fans von Succession

Wer Succession und The Good Wife mochte, findet in The Good Fight schnelle Dialoge, moralische Grauzonen und einen Kanzleialltag voller Machtkämpfe.

· 4 Min. Lesezeit

Wer „Succession" wegen der schnellen, bösartigen Dialoge geliebt hat und „The Good Wife" wegen der klugen Fallkonstruktionen, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit „The Good Fight" verpasst. Die Serie ist das direkte Spin-off von „The Good Wife", entstanden aus derselben Feder von Robert und Michelle King, und sie verbindet genau die beiden Stärken, die Fans an den Ausgangsserien schätzen: Machtspiele auf hohem Niveau und Fälle, die nie so einfach sind, wie sie am Anfang wirken.

Worum es geht

Im Zentrum steht Diane Lockhart, gespielt von Christine Baranski, die schon in „The Good Wife" eine der prägendsten Nebenfiguren war. Nach einem finanziellen Skandal verliert sie praktisch über Nacht ihr Vermögen und ihre Stellung in der alten Kanzlei. Sie landet bei einer überwiegend Schwarzen Anwaltskanzlei in Chicago, wo sie nicht mehr automatisch die Autorität im Raum ist. Das ist der eigentliche Kniff der Serie: Diane muss sich neu beweisen, in einem Umfeld, das andere Regeln hat als das, in dem sie groß geworden ist.

Aus dieser Ausgangslage entwickeln die Kings über sechs Staffeln hinweg eine Mischung aus Gerichtsdrama, Kanzleipolitik und bissigem Kommentar zur US-Gegenwart. Wer bei „Succession" die Szenen mochte, in denen Menschen mit viel Macht sehr kleinlich miteinander umgehen, findet hier ähnliche Energie, nur im Kontext von Prozessen statt Konzernvorständen.

Warum die Serie neben ihren großen Geschwistern untergeht

„The Good Wife" lief sieben Staffeln lang im klassischen Network-Fernsehen und hatte dadurch eine enorme Reichweite. „The Good Fight" dagegen wurde von Anfang an für einen Streamingdienst produziert und war nie auf demselben Massenpublikum ausgerichtet. Das hat der Serie kreativ gutgetan – sie konnte politischer, sperriger und formal experimenteller sein, als es im Network-Fernsehen möglich gewesen wäre. Gleichzeitig hat es dazu geführt, dass viele, die „The Good Wife" durchgesehen haben, vom Spin-off nie erfahren haben.

Dazu kommt: Die Serie verlangt etwas Vorwissen. Wer „The Good Wife" nicht kennt, kann trotzdem einsteigen, verliert aber einige der besten Momente, die auf der Geschichte der Figuren aufbauen. Das macht „The Good Fight" zu keiner Serie für den schnellen Einstieg zwischendurch, sondern zu einer, die man sich bewusst vornimmt.

Wo die Serie zu finden ist

„The Good Fight" wurde in den USA ursprünglich für den Streamingdienst von CBS produziert und ist damit Teil des Paramount-Portfolios. In Deutschland war sie zuletzt über WOW verfügbar. Streaming-Rechte wandern erfahrungsgemäß zwischen Anbietern, deshalb lohnt sich vor dem Einschalten ein kurzer Blick in die aktuelle Übersicht des jeweiligen Anbieters, statt sich auf einen Stand von vor einem Jahr zu verlassen.

Für wen sich der Einstieg lohnt

Die Serie ist nichts für alle. Wer Gerichtsdramen grundsätzlich zu trocken findet, wird auch hier nicht warm. Aber für ein bestimmtes Publikum trifft sie einen Nerv, den kaum eine andere Serie so gut trifft:

  • Wer an „Succession" die kalte Präzision der Dialoge mochte
  • Wer an „The Good Wife" die Fallkonstruktionen mochte, aber mehr politischen Biss wollte
  • Wer Anwaltsserien schätzt, die Figuren nicht in Gut und Böse einteilen
  • Wer bereit ist, sich auf sechs Staffeln mit wiederkehrenden Figuren einzulassen

Ein Pluspunkt, der oft übersehen wird: Die Serie reagiert in Echtzeit auf das politische Klima der jeweiligen Entstehungszeit. Das gibt ihr eine Aktualität, die viele andere Serien aus derselben Zeit nicht mehr haben. Gleichzeitig ist das auch ein Grund, warum manche Folgen heute datierter wirken als andere – sie waren bewusst auf den Moment gemünzt, in dem sie entstanden sind.

Der Vergleich zu Succession im Detail

Der Vergleich zu „Succession" liegt nahe, hat aber Grenzen. Bei „Succession" geht es um eine Familie, die sich innerhalb eines geschlossenen Systems zerfleischt. Bei „The Good Fight" geht es um eine Kanzlei, die sich gegen äußere Bedrohungen behaupten muss – wechselnde Mandanten, politischer Druck, interne Machtverschiebungen. Die Boshaftigkeit der Dialoge ist vergleichbar, der Antrieb dahinter ist ein anderer. Wo „Succession" nach innen blickt, blickt „The Good Fight" nach außen auf die Welt, in der die Kanzlei operiert.

Was beide Serien eint, ist der Mut, ihre Hauptfiguren unsympathisch sein zu lassen, ohne sie deswegen weniger interessant zu machen. Diane Lockhart trifft over die Staffeln hinweg Entscheidungen, die man nicht immer gutheißen muss, um ihr als Zuschauer trotzdem zu folgen.

Fazit

„The Good Fight" ist keine Serie, die man nebenbei laufen lässt. Sie verlangt Aufmerksamkeit für Dialoge und Fallkonstruktionen, belohnt das aber mit einer der konsequentesten Charakterentwicklungen der letzten Jahre. Wer „Succession" und „The Good Wife" durch hat und eine Lücke im Abendprogramm sucht, findet hier keine Wiederholung der beiden Serien, sondern eine eigenständige Fortsetzung ihrer besten Ideen.

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